„Paranoid Places“ ist der Titel einer Dokumentation über die Stuttgarter Graffitiszene des jungen Regisseurs Dennis Pavlovic. Im Rahmen des Abschlusses einer Medieneinheit im Deutsch-Unterricht besuchten die Klassen 9U und 9S der Ellentalgymnasien Bietigheim-Bissingen Ende November 2012 den Dokumentarfilm im Zuge der 18. Filmschau Baden-Württemberg im Metropol Filmtheater Stuttgart. Anschließend gab es eine Diskussion mit dem Regisseur des Films und dem Graffiti-Sprayer Dingo Babusch.

Die Dokumentation behandelt die Stuttgarter Graffitiszene von ihrer Entstehung um 1990 bis in das Jahr 2010, seit welchem Sprayer in Stuttgart schon fast vergeblich nach Plätzen für neue Graffitis suchen. Legal darf man in Stuttgart nur an einer Stelle sprayen, auf der sogenannten „Hall of Fame“. Dies sind von der Stadt zum Besprühen freigegebene Bauwerke. Zum Vergleich: In Freiburg gibt es 19 Hall of Fames. Da diese Hall of Fame in Stuttgart überfüllt ist, weichen die Sprayer auf andere Bauwerke, Wände und Züge aus. Das ist illegal. Deshalb arbeiten die Sprayer meist nur unter einem Pseudonym wie „Blaze“ oder „Riggz“.

In dem Film wird auch die Motivation der Sprayer hinterfragt. Genannt werden unterschiedlichste Motive, zum Beispiel Selbstverwirklichung und die Suche nach Anerkennung unter den Sprayern. Sie selbst betrachten ihre Graffitis, nicht wie die meisten anderen Bürger als Vandalismus und Schmierereien, sondern als Kunstwerke, welche ihnen in der Sprayerszene einigen Ruhm einbringen können.

Beeindruckend ist die hohe Professionalität mancher Sprayer, die aus der Hand komplexe Kunstwerke erschaffen. Natürlich gibt es aber auch zwischen den Sprayern große künstlerische Unterschiede. Einer von ihnen, der den Sprung zu den deutschlandweit bekannten Sprayern geschafft hat, ist Dingo Babusch. Der Autor des Buches „Sprüher im Rudel“ und Mitwirkender in „Paranoid Places“, stellte sich mit Dennis Pavlovic nach der Filmvorführung den Fragen - aber auch der Kritik des Publikums.

Dieses bestand aus Schülern unterschiedlichen Alters und deren Lehrern. Die lebhafte Diskussion gewährte noch viele wertvolle Einblicke in die Entstehung des Films, aber auch in das Leben eines Sprayers. Bereits auf der Heimfahrt nach Bietigheim-Bissingen kam es unter den Schülern zu lebhaften Diskussionen über die Qualität mancher Graffitis, die vom Zug aus zu sehen waren. Es war es ein sehr interessanter und informativer Vormittag. Er ermöglichte den Zuschauern einen von der allgemeinen Meinung völlig abweichenden Einblick in die Welt der Graffitis.

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