Von Florian Faust |
Bienen

Seit Anfang diesen Jahres nehmen die Klassen 5b, 5c, 5t und 6c am Pilot des FREIDAY-Formats der Initiative "Schule im Aufbruch" für unsere Schulen teil. An den Ellentalgymnasien nennen wir es "FREIRAUM". In diesem Sinne dürfen die TeilnehmerInnen frei entscheiden, welche Projekte sie innerhalb eines Halbjahres im Kontext der SDGs (der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN) entwickeln und durchführen werden. Von der Ideenfindung bis zur Abschlusspräsentation zum Schuljahresende leiten die begleitenden Lehrkräfte die SchülerInnen entsprechend der "design-thinking"-Grundsätze an und geben ihrem prozessbezogenen Kompetenzgewinn dementsprechend Struktur. 

Im Zuge der Projektdurchführung konnten bereits viele neue Erkenntnisse gesammelt werden. Unter anderem führten die Schülerinnen und Schüler im März ein Interview mit der Bienenexpertin Marisa Geiger vom Milchviehbetrieb der Familie Geiger in Bissingen zum Thema "Bienenschutz".

 Leo: Guten Tag Frau Geiger! Schön, dass Sie sich die Zeit nehmen um uns ein paar Fragen rund um Bienen zu beantworten. Legen wir doch gleich mal los!

Unsere erste Frage lautet: Welchen Bezug haben Sie persönlich zu Bienen?

Frau Geiger: Hallo Leo. Sehr gerne! Ich habe in Hohenheim Tierwissenschaften studiert. Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich dort mit Honigbienen gearbeitet, die neben Kühen, Schweinen, Schafen, Ziegen und Hühnern auch zu den landwirtschaftlichen Nutztieren zählen. Das war mein erster Kontakt zu diesen tollen Lebewesen. Danach hat es zwar noch ein paar Jahre gedauert, aber seidem betreibe ich eine kleine Hobbyimkerei mit aktuell sieben Bienenvölkern. Das ist wirklich spannend und macht mir sehr viel Spaß!

Leo: Warum sind Bienen so wichtig für uns Menschen?

Frau Geiger: Bienen – und damit meine ich sowohl Honigbienen als auch Wildbienen -  tragen durch ihre enorme Bestäubungsleistung zur Nahrungsmittelsicherheit und Artenvielfalt bei. Vor allem im Obst- und Gemüsebau spielen sie eine wichtige Rolle. Daher sind Honigbienen - was viele gar nicht wissen - nach Schweinen und Rindern das drittwichtigste Nutzier.

Leo: Was ist das größte Problem für die Bienen in unserer modernen Welt?

Frau Geiger: Das ist eine ziemlich komplexe Frage, aber ich versuche sie kurz und knapp zu beantworten. Hier müssen wir denke ich ganz klar zwischen Wild- und Honigbienen unterscheiden, da diese sehr unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum und das Nahrungsmittelangebot stellen. Wildbienen haben zum Beispiel im Vergleich zu Honigbienen viel speziellere Ansprüche an ihr Habitat. Während Honigbienen in einem Umkreis von mehreren Kilometern um ihren Bienenstock auf Nahrungssuche gehen, benötigen Wildbienen, insbesondere die kleineren Arten, ein vielfältiges Nahrungsmittelangebot in einem Umkreis von ca. 150-300 m um ihre Behausung. Bei manchen Wildbienenarten geht es sogar so weit, dass sie sich auf eine einzige Pflanzenart spezialisiert haben. Ein für die Honigbiene sehr spezielles Problem stellt die Varroamilbe dar, eine parasitäre Milbe, die sich in der Bienenbrut vermehrt und diese dadurch die Übertragung von Krankheitserregern schädigt. Wegen der Varroamilbe und aufgrund dessen, dass es kaum noch hohle Bäume in unseren Wäldern gibt, gibt es kaum noch wild lebende Honigbienen. Auch das unsachgemäße Ausbringen von Pestiziden und eine sehr blühkarge Ackerlandschaft können problematisch für Wild- und Honigbienen sein, obwohl hier die Entwicklung, denke ich, schon in die richtige Richtung geht.

Leo: Wie könnten wir Schüler den Bienen helfen? Könnte z.B. unser Projekt „Bienenhotel auf dem Schulhof“ den Bienen helfen?

Frau Geiger: Ich finde das ist eine ganz tolle Idee! Euer Projekt könnte dabei helfen, dass euer Schulhof bienenfreundlicher wird und in Zukunft für Wildbienen ein attraktives Habitat darstellt. Damit das Bienenhotel allerdings von den Wildbienen gut angenommen wird, müsst ihr einige Dinge beachten.

Leo: Wenn wir dieses Bienenhotel umsetzen- sollten wir darauf achten bestimmte Pflanzen in der Nähe zu pflanzen und wenn ja, welche?

Frau Geiger: Ja, auf jeden Fall! Aber nicht nur die Auswahl der Pflanzen ist wichtig, sondern auch, dass die Bienen Wasser, ggf. entsprechendes Baumaterial und die für die jeweilige Bienenart richtige Nistmöglichkeit vorfinden. Daher denke ich wäre es wichtig, dass ihr euch im Vorfeld genau überlegt für welche Wildbienenarten ihr gerne ein Bienenhotel aufstellen wollt und euch davon ausgehend informiert, was diese Bienenarten für Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Dabei könnt ihr euch an folgenden Frage orientieren: Auf welche Nahrung ist die ausgewählte Wildbienenart angewiesen? Benötigen sie evtl. eine ganz spezielle Pflanze oder reicht es eine breite Auswahl an Pflanzen anzubieten, die einen hohen Nektar und Pollenwert haben? Wäre evtl. das Aufstellen einer Bienentränke in direkter Nähe zum Bienenhotel sinnvoll, oder können die Bienen in ihrem individuellen Flugradius woanders Wasser finden? Benötigt die Bienenart ein spezielles Baumateriel wie z.B. Erde um ihre Niströhre zu verschließen und hätte sie in direkter Umgebung Zugang dazu? Welchen Lochdurchmesser bei der Nistmöglichkeit benötigt die Bienenart? Wie ist das Bienenhotel gearbeitet, sodass die Röhren keine ausgefransten Ränder haben, an denen sich die Bienen beim Anflug bzw. Einstieg verletzen könnten? Wie lang muss eine Niströhre mindestens sein, damit darin erfolgreich genügend Eier abgelegt werden können? Du siehst schon Leo, hier gilt es genau zu recherchieren. Aber ich bin mir sicher, dass ihr das gewissenhaft machen werdet und dann wird euer Bienenhotel mit Sicherheit ein voller Erfolg!

Leo: Unsere letzte Frage: Gibt es noch etwas, was Sie uns gerne über Bienen sagen möchten oder mit auf den Weg geben möchten?

Frau Geiger: Ich finde es toll, dass ihr euch im Rahmen eures Projektes näher mit diesen tollen Lebenwesen beschäftigen wollt! Bienen sind wirklich faszinierend! Seit ich mich mit Honigbienen beschäftige, hat sich meine Wertschätzung für diese kleinen Superwesen noch mal deutlich erhöht, weil es einfach fantastisch ist, was sie in der Lage sind zu leisten, sowohl als Einzeltier, als auch als Volk im Ganzen! Da kann man wirklich eine ganze Menge lernen!

Wenn man zum Beispiel weiß, dass die Gesamtlebensleistung einer einzigen Honigbiene notwendig ist, um einen einzigen Teelöffel Honig zu produzieren, verändert das doch deutlich die Sichtweise darauf, wie man sein Honigbrot genießen sollte und dass Honig ein sehr hochwertiges Nahrungsmittel ist, dass man nicht zu Billigpreisen beim Discounter, sondern vielleicht doch lieber beim Imker um die Ecke kaufen sollte.

Leo: Super, vielen Dank für Ihre Zeit und die tollen Infos Frau Geiger! 

Frau Geiger: Sehr gerne! Ich wünsche euch bei eurem Projekt viel Freude und Erfolg!